Weiße Traumstrände im Indischen Ozean

La Réunion Costa Mediteranea

Es muss nicht immer Karibik sein: Eine Kreuzfahrt im Indischen Ozean ist mindestens genauso spannend, herrlich bunt und atemberaubend schön. Beim Inselhopping mit der Costa Mediterranea kann man dem europäischen Winter wunderbar entfliehen. Mauritius, die Seychellen, Madagaskar und La Réunion sind unser Ziel.

Ein Schiff wie ein Dogenpalast

Die Costa Mediterranea ist international und bunt – und das in vielerlei Hinsicht. Das große Atrium über zehn  Decks glitzert in warmen Rot- und Silbertönen. Es  erinnert an einen Dogenpalast. Skulpturen, kostümierte Figuren mit Masken und Bilder wie aus dem venezianischen Karneval schmücken die  Wände. Gläserne Aufzüge bringen die Gäste von Deck 2, wo sich eine Bar, Rezeption und das Büro für Ausflüge befinden, nach oben. Und dann sind da auch noch die Menschen aller Hautfarben und Nationen – an Bord und auf den Inseln.

Weil auf Mauritius gerade die Sommerferien begonnen haben, sind  auch viele Kinder an Bord, erzählen uns Madhvi und Vimal Nundloll. Das Ehepaar ist mit Tochter und Sohn zum ersten Mal auf einer Kreuzfahrt unterwegs.  Ein Costa-erfahrenes  kanadisches Paar aus Montreal hat eine weite Anreise hinter sich und schon ein paar Tage auf der Insel verbracht, als es mit uns in Port Louis aufs Schiff geht. Unsere Tischnachbarn beim Dinner im Argentieri-Restaurant, wo jeden Abend um 18.30 Uhr derselbe Platz für uns reserviert ist, kommen aus La Réunion.

Neben Südafrikanern, Schweden, Engländern  und Italienern sind 500 Franzosen und 300 deutschsprachige Gäste an Bord. Jetzt freuen  sich alle auf die 14-tägige Rundreise im Indischen Ozean. Die Inseln haben eine bewegte Kolonial-Geschichte, und die Bevölkerung ist genau so métissée (bunt gemischt) wie die Passagiere der Costa Mediterranea.

Seychellen: „The original Eden“

Nach zwei sonnigen Seetagen legen wir frühmorgens in  Victoria auf Mahé an. „Mit 10.000 Einwohnern die kleinste Haupstadt der Welt“, behauptet Christopher Pool (45), unser Guide, der uns am Schiff erwartet. Die Seychelloise sind stolz auf „The original Eden“. Von den Portugiesen  entdeckt, von Franzosen und Briten dominiert und 1976 unabhängig geworden, leben die Nachkommen von Europäern, ehemaligen afrikanischen Sklaven, Kreolen und Indern in einem friedlichen und wohlhabenden Insel-Staat. Die Bevölkerung ist métissée, wie man auf den Inseln sagt. Die Bewohner sprechen Englisch, Französisch und Kreol.

Weil die Seychellen mit ihren berühmten weißen Traumständen ‐ umrahmt von  Granitfelsen  und  türkisfarbigem Wasser ‐  den Tourismus als Einnahmequelle  früh entdeckt haben, zählen sie  neben Mauritius zu den  wohlhabendsten Staaten Afrikas. Die Strände von La Digue gehören zu den meistfotografierten der Welt.  Die Fischerei und der Gewürzhandel spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Auf den Inseln  herrscht Vollbeschäftigung. Saubere Straßen und Steinhäuser statt Wellblechhütten zeugen davon. Seit der Unabhängigkeitserklärung ist  auch der  Umweltschutz in der Verfassung  des Archipels mit seinen 150 Inseln verankert.

Am Ankunftsmorgen hängt der  Nebel tief  über den Bergkuppen, im November/Dezember ist Regenzeit. Gelegentlich lugt  ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke, und wir hoffen, dass es so bleibt. Für alle Fälle haben wir eine leichte  Regenjacke und einen Schirm dabei, und den werden wir ab mittags auch brauchen.

Beim ersten großen Platzregen während des Stadtrundgangs bietet uns der wunderschöne bunte Hindutempel nahe der Marketstreet Unterschlupf. Ein freundlicher Mönch lädt uns ein, alles in Ruhe anzuschauen. Auch fotografieren ist im Tempel des Elefantengottes  ausdrücklich erlaubt. Bevor wir gehen, möchte der Mönch uns  segnen. Wir nehmen es  gerne an, man kann ja nie wissen…

Schildkröten können rennen

Chris hat inzwischen das Auto geholt und erweist sich als flexibel. Wir ziehen das für später geplante Lunch im „Maison Marengo“ in Au Cap vor und warten dort den Tropenregen ab. Die Bedienung ist freundlich, die  Speisekarte  beeindruckend, und die Küche bietet hervorragendes kreolisches Essen. Aber auch die Pizza ist außergewöhnlich reichhaltig und gut. Inhaber  Kevin Marengo hat viele Jahre in Luxushotels in aller Welt gearbeitet und diese Küche  mit der kreolischen kombiniert. Vor dem grauen Haus im Kolonialstil gibt es einen großen Parkplatz, das Lokal ist aber auch mit dem Bus gut erreichbar.

„Für 28 Seychellen-Rupien pro Person (1,85 Euro)  kann man mit dem Linienbus die ganze Insel umrunden“, verrät uns  Chris. Für  sieben Rupien/Person fahren wir am nächsten Tag von der Zentralstation in Victoria zum schönsten Strand der Insel, dem Beau Valon Beach, der für seine Sonnenuntergänge berühmt ist. Noch idyllischer ist der kleine Sunset Beach neben dem Sunset Hotel, ein paar Stationen davor, wo wir auf ein frisch getrautes Brautpaar treffen. Die Seychellen sind bei Honeymoonern besonders beliebt.

Ein unbedingtes Muss in Victoria ist  der Botanische Garten. Wer keinen Ausflug nach Praslin unternimmt, hat dort die Möglichkeit,  die berühmte Coco de Mer, die Doppelkokusnuss, an den meterhohen Palmen  zu sehen. Die Früchte werden bis zu 40 Kilo schwer. Auch die vom Aussterben bedrohten  Riesen-Schildkröten, die bis zu 120 Jahre alt werden können, gibt es  in großer Zahl. 100 Rupien  (6,62 Euro) hat  der Eintritt gekostet, 50 Rupien extra  zahlen wir für  Futter: Plötzlich können die sanften Riesen rennen und fressen uns die Blätter aus der Hand. Doch was wären die Seychellen ohne Zuckerrohr und Rum. Deshalb gehört  die Besichtigung einer Destillerie mit Verkostung  ebenfalls zu einem Tagestrip auf Mahé. 300.000 Liter Rum pro Jahr werden von Takama, dem traditionsreichen  Unternehmen einer alteingesessenen Zuckerdynastie  produziert. Ein Großteil geht in den Export. Nach zwei Tagen verlassen wir die Seychellen Richtung Madagaskar. Ein sonniger Tag an Bord liegt vor uns.

Hinter den Kulissen an Bord

Einen Seetag auf der Costa Mediterranea kann man ganz unterschiedlich nutzen: Zum Schwimmen im  Pool,  wo reger  Betrieb herrscht, oder auf einem der anderen Decks, wo durchaus ein ruhiges Plätzchen zu finden ist. Sport- und Freizeitangebote gibt es reichlich. Bei gutem Wetter ist auch die große Wasserrutsche geöffnet. Kalorien abtrainieren kann man im klimatisierten Fitnesscenter, sich verwöhnen lassen im eleganten Spa. Und wer einmal hinter die Kulissen eines Kreuzfahrtfahrtschiffs schauen möchte, kann dafür an Seetagen eine Führung buchen.

Dort erfährt man unter anderem, was  Executive Chef Salvatore Luppino und seine 172 Mitarbeiter in der riesigen Küche tagtäglich leisten. Gekocht wird jeden Tag unter einem anderen Motto, abhängig von der Route. 500 Kilo Fisch und 300 Kilo Fleisch/Tag verlassen die Küche. Hinzu kommen 3000 Kilo  Obst und Gemüse/Woche. Gerichte für Allergiker, Diabetiker, Vegetarier und Veganer werden in einem eigenen Bereich zubereitet. Die Edelstahlflächen glänzen blitzblank, „Hygiene ist das oberste Gebot, und Abfalltrennung eine Selbstverständlichkeit“, sagt Food und Beverage Direktor Francesco Greco.

Madagaskar: Arm und reich zugleich

Am nächsten Morgen  gehen wir vor der Touristeninsel Nosy Be vor Anker. Madagaskar, die viertgrößte Insel der Welt, ist berühmt für ihre Gewürze und heute  der größte Vanilleproduzent der Welt. Schnell wird klar, Madagaskar ist trotz all seiner Bodenschätze ein sehr armes Land, aber unglaublich bunt. Seit ich vor 27 Jahren hier war, hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Holz- und Wellblechhütten am Wegesrand. Kleine Obststände und Familien, die ihr Mittagessen draußen kochen, Wäsche, die im Fluss gewaschen und auf der Wiese getrocknet wird.

Zwischen den Autos zuckeln die traditionellen  Zebu-Karren, wie man sie aus Indien kennt, über die Straße. Auch Kühe kreuzen schon mal unverhofft  unseren Weg. In den Großstädten Tamatave und Antsiranana, wo wir am nächsten und übernächsten Tag anlegen werden, sind neben Tuk Tuks auch viele Fahrradrikschas unterwegs. Größer könnte das Kontrastprogramm zu den wohlhabenden Seychellen kaum sein. Die Regierung versucht mit mäßigem Erfolg, den Tourismus anzukurbeln. Mittlerweile gibt es auch einige Sternehotels an den weißen, von Palmen gesäumten Sandstränden Madagaskars.

Lemuren, Chamäleons und Co.

Auch Madagaskars Natur ist einzigartig. 80 Prozent der Pflanzen und Tiere sind endemisch, d.h. es gibt sie nur hier. Die Einmaligkeit der madagassischen Natur beruht auf  der  frühen Trennung vom afrikanischen Kontinent vor 160 Millionen Jahren und auf der  abgeschiedenen Insellage. Die bekannteste und größte Gruppe der Tierwelt mit 93 Arten sind die Lemuren (Halbaffen), die man in den zahlreichen  Naturparks antrifft. Manche sind sehr zutraulich und nehmen, ob man will oder nicht, auch Kontakt zu Menschen auf. Zu den urzeitlichen Bewohnern gehören ebenfalls  Leguane und Chamäleons, von denen 70 verschiedene Arten auf der Insel leben.

Wir müssen tendern, denn der Hafen wäre für die Costa Mediterranea viel  zu klein. Am  Hafen von Andoany (Helle Ville) herrscht reges Treiben. Alte Holzsegelschiffe transportieren Fracht und Fischer fahren zur Arbeit. Uns erwartet eine Musikgruppe junger Frauen  mit wunderschön bemalten Gesichtern, wie es auf Madagaskar Tradition ist.  Für heute haben wir eine Tuk Tuk-Fahrt über Costa gebucht, die uns durch die Altstadt mit ihren Kolonialbauten zu einem Strand auf der anderen Seite der Bucht führt. Langsam setzt sich der Konvoi mit den ca. 70  knallgelben  Tuk Tuks in Bewegung. Immer zwei Personen in einem Fahrzeug, das in der Anschaffung 3000 Euro kostet, zum Teil noch der Bank gehört, und der Familie den Lebensunterhalt sichern soll, erzählt unser Fahrer Alain.

Nosy Be wird auch “Ile aux Parfum“ (Parfum-Insel) genannt. Aus den Blüten des Ylang Ylang Baums wird eine kostbare Essenz gewonnen, die zur Herstellung von Parfum genutzt wird. Unser Fahrer Alain, der Madagsy und Französisch  spricht, reicht uns  immer wieder Blüten, an denen er uns schnuppern lässt. Einfach betörend, dieser Duft. Als wir nach einer Stunde am Beachclub Ambotaloaka ankommen, haben uns sofort die fliegenden Händlerinnen erspäht. Eine vom Personal eilig gezogene Absperrung hält die gut zwei Dutzend Frauen und Mädchen auf Abstand. Die Motive und Farben der Pareos sind die schönsten, die ich in Afrika je gesehen habe – ich kaufe gleich drei…

La Réunion: Vive la France

Das französische Übersee-Departement La Réunion im Indischen Ozean ist der südlichste Stützpunkt Europas. Wir kommen mit der Costa Mediterranea in Le Port an, wo schon unser Guide Fabrice Saint-Lambert am Hafen auf uns wartet.  Mit ihm werden wir die steil aufragenden, zerfurchten und sattgrünen Berglandschaften, die vor Millionen Jahren durch Vulkaneruptionen geformt wurden, entdecken. Manche Strände bestehen aus schwarzem Vulkangestein, der letzte entstand 2007. Aber auch malerische kleine Orte, eine Vanilleplantage, lange helle Sandstrände am türkisblauen Meer  und der Krater des noch sehr aktiven Vulkans Piton de La Fournaise, der alle paar Monate „furzt“, wie die Einheimischen sagen, stehen auf unserem Programm.

Vom Hafen bis zur Hauptstadt Saint-Denis, mit fast 200.000 Einwohnern die größte Kommune der Insel, dauert die Fahrt eine halbe Stunde. Ein weißer Häuserteppich überzieht die Hänge von Saint-Denis, dessen Altstadt von französischer Kolonialarchitektur geprägt ist. Zollbeamte, Supermärkte, Apotheken – alles ist wie im europäischen Mutterland. Eine Verkehrslawine wälzt sich über die Schnellstraße, die den Osten über die Hauptstadt mit dem Westen verbindet.

Zunächst besichtigen wir das einstige  Quartier d‘Isolement, das heute ein eindrucksvolles  Museum ist. Alle kranken Neuankömmlinge mussten dort bis 1939 in Quarantäne. Danach geht es in die Berge zum Cirque de Salazie. Diese Caldera des erloschenen  Pimont des Neiges –  eine von dreien, ist die grünste Oase auf La Réunion und am einfachsten zu erreichen. Mit ihren über 100 Wasserfällen gehört sie  komplett zum Weltkulturerbe der UNESCO. Mitten im Talkessel liegt das Dörfchen Hell Bourg. Vor einigen Jahren  wurde es zum schönsten Dorf Frankreichs gekürt. Von der Terrasse des Hotels Les Jardin d´Héva hat man nicht nur einen wunderschönen Blick auf das Dorf, und es wir auch ein leckeres kreolisches Mittagessen mit landestypischen Zutaten serviert.

Auf der Vanille-Plantage Domaine du Grand Hazier in Saint-Susanne, zwischen Indischem Ozean und Zuckerrohrplantagen gelegen, zeigt uns Inhaber Bertrand Come den langen Weg der Vanilleschote von der Anpflanzung über die  Bestäubung von Hand, bis zur Reifung, Trocknung und x-fachen Kontrolle, den jede einzelne Schote durchläuft. Mehr als fünf Jahre dauert es,  bis sie mit hoher Qualität in den Verkauf gehen kann. Jetzt verstehen wir, warum Vanilleschoten so teuer sind. Und natürlich müssen wir uns das Geschmackserlebnis mit einem echten Vanilleeis für 3,50 Euro gönnen. Vanille ist  nach Safran  das zweitteuerste Gewürz der Welt.

Auf dem Weg zum Vulkan

Zu den Höhepunkten der Reise gehört zweifellos eine Entdeckungstour auf der Route du Volcan zum  Piton de La Fournaise (dt. Glutofen), der alle paar Monate blutrote neue Lavaströme ausstößt.  Auf dieser Straße fährt man durch die ältesten bis hin zu den jüngsten aktiven Vulkanformationen des Dreitausenders. Frühes Aufstehen wird belohnt  durch imposante Panorama-Blicke. Ich bin schockverliebt in die atemberaubende Landschaft. Nur wer in aller Frühe auf den Beinen ist, kann die Gipfel wolken- und  nebelfrei erleben. Punkt 7 Uhr holt unser Guide Fabrice uns am Schiff ab. Wir haben unverschämtes Glück, die Sonne strahlt bis mittags.

Sobald man die Küste mit ihren quirligen Städten, hellen Stränden und türkisfarbigem Wasser hinter sich gelassen hat, verändert die Insel ihr Gesicht. Beschauliche Dörfer und Hochplateaus mit grasgrünen Almwiesen und glücklichen Kühen liegen am Weg zum Dreitausender. Auch auf Wanderer und  Radfahrer, wie Marianne und Philippe Mundubeltz, treffen wir, die jedes Wochenende eine andere Radtour unternehmen. Das Radwegenetz auf der französischen Insel ist erstaunlich gut und groß.

Je höher wir fahren, desto spärlicher wird die Vegetation. Verdorrtes Gras und rostrote Erde dominieren die Landschaft. Auf 2350 Metern ist die  Plaines de Sables erreicht. Von einem Parkplatz aus können die Wanderungen zum Gipfel beginnen – sofern man die Zeit dafür hat. Wer in den „Glutofen“ von oben ohne Anstrengung schauen möchte, kann ab 240 Euro/Person einen Hubschrauberrundflug buchen. Wir müssen allerdings um 17.30 Uhr am Schiff zurück sein, um am nächsten Tag unser Endziel Mauritius zu erreichen, von wo wir den Heimflug antreten.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Der Artikel ist zuerst erschienen bei: breitengrad53.de
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Kreuzfahrt
Liane Ehlers

Liane Ehlers war fast 20 Jahre verantwortliche Redakteurin für das Wochenendjournal der Nordwestzeitung in Oldenburg, der größten Tageszeitung im Weser-Ems-Gebiet. Neben Lifestyle, Wellness, Medizin und Ratgeber gehörte auch Reise dazu, ihr Lieblingsressort. Sie hat ihren Traum verwirklicht. Jetzt ist sie als freie Reisejournalistin für die NWZ und andere Medien unterwegs.

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